10.12.2015 |   GPRA-Standards

Trainees sollen mindestens 1.600 Euro erhalten

Nach Festlegung der Mindeststandards für Praktikanten haben sich die Mitglieder der Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA) jetzt auch auf Mindeststandards für Trainees geeinigt. Diese Standards bilden künftig die Basis für die Traineeausbildung in den Agenturen des Verbands. Die Regeln legen Lern­inhalte, Rahmenbedingungen und die Mindestvergütung der Auszubildenden fest.

Die Standards

1. Dauer: 12-18 Monate, je nach Vorkenntnissen

2. Inhalte
2.1 Allgemeine Inhalte:
- Professioneller Kundenkontakt, Einblick in die Kundenberatung
- Steuern von Dienstleistern
- Kalkulation/Controlling Kundenprojekte
- Wirtschaftlicher Gesamtkontext Agentur / Grundregeln der Profitabilität
- Projekt- und Zeitmanagement, Zusammenarbeit im Team

2.2 Fachspezifische Inhalte:
Die Kommunikationsbranche erlebt einen permanenten Wandel. Mit­gliedsagenturen der GPRA richten sich neu aus und erweitern ihr Portfolio. Parallel dazu ändern sich die fachlichen Anforderungen. Dementsprechend handelt es sich bei den folgenden Punkten um eine Momentaufnahme.
- Grundlagen praxisrelevanter strategischer Planung/Konzeption
- Verständnis integrierte Kommunikation
- Übersicht über sämtliche Bereiche der Kommunikation (inkl. audiovisuelle Kommunikation)
- Grundlagen Storytelling & Content Marketing (kanalübergreifend)
- Erlernen operativer Arbeit in der Kommunikation
- Umgang mit Texten / Bewertung von Textqualität (kanalunabhängig, intern und extern)
- Überblick über sowie professioneller Umgang mit Influencern (Journalisten / Blogger / Youtube-Influencer, Micro-Audiences etc.)
- Praxis digitale Kommunikation
- Kenntnis Medienbeobachtung & Social Media Monitoring inkl. qualitativer Auswertungsmethoden / Kommunikationscontrolling
- Erstellen von Präsentationen

3. Rahmenbedingungen:
- Regelmäßige Feedbackgespräche (zur fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung)
- Fester Betreuer/Ansprechpartner
- Strukturierte Weiterbildungsangebote
- Verbindlicher Ausbildungsplan

4. Vergütung: mindestens EUR 1.600,00

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Kommentare

Tapio Liller am 10.12.2015 um 13:23
Was hier vollmundig als "Standards" beschrieben wird, ist nicht viel mehr als die Kurzfassung der Realität in modernen Kommunikationsagenturen. Sie sind inhaltlich in Ordnung, aber auch nichts Weltbewegendes. Dass PR-Leute in Ausbildung die Bandbreite der Agenturarbeit kennenlernen und möglichst auch praktisch erlernen sollten, versteht sich eigentlich von selbst. Oder gibt es von den Stichpunkte noch eine Langfassung, die das inhaltlich näher definiert?

Dass Punkt 4, die Mindestvergütung allen Ernstes bei €1600 definiert wird, ist hingegen ein müder Scherz. Bei angenommener 40-Stundenwoche kommt ein Trainee damit auf ca. 10€ Stundenlohn. Da wird (fast) jede studentische Aushilfe besser bezahlt. Mit einem Mindestgehalt von 1600€ im Monat wird nur der Status Quo der Unterbezahlung durch viele Agenturen zementiert und von einem Branchenverband als akzeptabel festgeschrieben. Was hierbei unter den Tisch fällt ist die Tatsache, dass auch die GPRA-Agenturen gern qualifizierte Absolventen haben, die zurecht mehr zum Jobeinstieg erwarten als ein paar warme Worte und 10€ die Stunde. Auch und gerade die GPRA sollte sich der Realität stellen und anerkennen, dass die PR-Branche in einem Wettbewerb um die besten Talente steht, die anderswo - nämlich außerhalb der Agenturwelt - finanziell von Anfang an besser gestellt werden.

// Disclosure: Oseon zahlt Einsteigern mindestens €2100 pro Monat, oft mehr, je nach Qualifikation und Vorerfahrung. Eine deutliche Steigerung ist binnen 9-12 Monaten möglich.
 
Johannes Silberhorn am 10.12.2015 um 18:29
//Disclosure: Ich bin lediglich als Freier Teil der Branche.

Reden wir hier ernsthaft über Brutto-Beträge?

Wenn, dann nehme ich an, dass es sich dabei um die Vergütung für BA-Absolventen handelt?
 
Sascha Stoltenow am 11.12.2015 um 08:53
Ich stimme den Anmerkungen von Tapio in allen Punkten zu, möchte aber noch eine Prüffrage an die GPRA-Agenturen ergänzen: Zu welchen Stundensätzen berechnen die Mitgliedsagenturen die Trainees an ihre Kunden weiter?

Und weil die Standardantwort erwartbar ist: Nein, die Geschichte von der niedrigeren billability und dem hohen Invest in die Ausbildung glaubt Euch niemand, der länger als zwei Jahre in der Branche tätig ist.
 
ot am 11.12.2015 um 16:17
Lächerlich, einfach nur lächerlich. Vor allem, wenn man sich den TATSÄCHLICHEN Netto-Stundenlohn ausrechnet. (bei einer 80-Stundenwoche)

Was bin ich froh, nach 12 Jahren der PR-Branche den Rücken gekehrt zu haben. 800 Bewerber auf eine Referentenstelle, nichts als Nachtschichten (übrigens auch in der Industrie, es wird immer noch schlimmer) und lustige Almosen mit Gratis-Kaffee.

Was ist nun mache? Was ganz Ehrliches. Ich arbeite (als ehemalige Pressechefin eines sehr namhaften Industriekonzerns und als ehemalige Etatdirektorin bei zwei Agenturen!) in der Altenpflege. Nein, nicht Füße waschen, sondern Verwaltung.

DAS ist mal lau. Feierabend am Freitag um 12:30 Uhr (wehe nicht, dann macht der Chef Ärger), ansonsten gegen 16:00 Uhr.
Verdienst (brutto): 3.800 Euro zzgl. einiger Zulagen. Reicht mir.

Wünsche weiterhin schöne Wochenendarbeit. Und hofft nicht zu lange, dass sich PR irgendwie lohnt.

@ S. Stoltenow:

"Billability" - wie mich dieses ach so kompetent aufgeplusterte Vokabular doch an die Heiße-Luft-Branche erinnnert. Zum Totlachen, ehrlich. "Hoher Invest", nee, echt jetzt. :-)))
 
A. Schulz am 27.01.2016 um 13:23
Wie sieht es denn eigentlich mit PR-Volontären aus?
Gelten für sie die gleichen Standards oder sind die außen vor?
 

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