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News / Verschwendungssucht am Hofe der Eurokraten
Dominik Meier
14.03.2011   News
Verschwendungssucht am Hofe der Eurokraten
 
Unter Brüsseler Diplomaten gibt es eine einfache Faustregel: Die Dienstzeit, die man in der vor dem politischen Zerfall stehenden belgischen Hauptstadt verbracht hat, messen die Herren Gesandten nicht in Jahren, sondern an den Kilos, die man zugelegt hat. Kaum ein Empfang, Kamingespräch oder Gala-Dinner, zu dem nicht bergeweise Crevetten, Hummer oder Gänseleber-Paté aufgefahren wird. Selbst wenn es, wie in der bayrischen Repräsentanz, mit Weißwürsten und Brez’n ein wenig rustikaler zugeht – der Begriff der „spät- römischen Dekadenz“, die FDP-Parteichef, Außenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle unter Hartz-IV-Empfängern bemerkt haben will, ist hier vielleicht eher angebracht als in der deutschen Sozialstaatsdebatte.
Brüssels Luxus-Caterer reiben sich derweil schon die Hände angesichts der Pläne, die die Außenministerin der Kommission, Catherine Ashton,verfolgt. Das in Gründung befindliche Diplomatische Corps der Europäischen Union soll mit 8.000 Mann Personal und einem fürstlichen Budget von acht Milliarden Euro ausgestattet werden. Das entspricht einer Finanzausstattung von einer Million Euro pro Mitarbeiter. Eine Menge Geld also für weitere Schlemmer-buffets und Champagnergelage.
Entsprechend ist der interne Verteilungskampf längst entbrannt. Den Einsatz der Ellbogen bei der Postenverteilung haben viele der potenziellen Euro-Diplomaten bereits beim allabendlichen Gerangel an den Brüsseler Buffets erprobt.Beamte der Kommis-sion, der Rat und Diplomaten der einzelnen Mitgliedsstaaten wollen alle in der ersten Reihe stehen, um ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzubekommen.

„Kaum ein Empfang, Kamingespräch oder Gala-Dinner, zu dem nicht bergeweise Crevetten, Hummer oder Gänseleber-Paté aufgefahren wird.“



Dies zeigt einmal mehr, wie schlecht so manche Teile der Eurokratie in ihrer Öffentlichkeitsarbeit beraten sind. In Zeiten von Haushaltskonsolidierungen, Sparbeschlüssen und Rettungsschirmen täte es Not, sich ein wenig zurückzuhalten. Doch so erinnert Baronin Ashton geradezu an Marie-Antoinette (1755 - 1793), die selbstzufriedene Gemahlin von König Ludwig XVI. (1754 - 1793), die am Vorabend der französischen Revolution auf den Hinweis, die Menschen könnten sich kein Brot mehr kaufen, gesagt haben soll: „Dann sollen sie eben Kuchen essen!“
Glücklicherweise stehen Ashton kein Schafott und kein Jakobinerterror bevor, doch vielen europäischen Bürgern wird übel, wenn sie die Rechnung für ihre verschwenderischen politischen Eliten auf dem Silbertablett präsentiert bekommen.
Die Baronin sollte also darauf achten, die Ansprüche ihrer Behörde herunterzuschrauben, um am Ende nicht die Suppe auslöffeln zu müssen. Immerhin ist noch Zeit, ihrem Haus eine radikale Schlankheitskur zu verordnen.Andernfalls wird sie über kurz oder lang – wie einst Marie-Antoinette – feststellen müssen: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!“

Dominik Meier ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung (de'ge'pol). Kontakt: dmeier@miller-meier.de

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