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News / Britischer PR-Verband kritisiert "dunkle Künste"
Screenshot des in der vergangenen Woche veröffentlichten Bell-Pottinger-Enthüllungsvideos
15.12.2011   News
Britischer PR-Verband kritisiert "dunkle Künste"
 
Das Chartered Institute of Public Relations (CIPR), der britische Verband der PR-Schaffenden, hat auf den in der vergangenen Woche enthüllten Bell-Pottinger-Skandal reagiert: PR könne nur als eine strategische Disziplin des oberen Managements betrachtet werden, wenn solche Vorfälle der Vergangenheit angehören, schrieb Verbandschefin Jane Wilson im CIPR-Blog.
Die Tageszeitung The Independent hatte in der vergangenen Woche Recherche-Ergebnisse des Bureau of Investigative Journalism veröffentlicht. Die Journalisten hatten sich als Vertreter der usbekischen Regierung und der dortigen Baumwollindustrie ausgegeben. Sie kontaktierten Londoner Agenturen und fragten, was diese zu tun bereit wären, um den Ruf Usbekistans zu verbessern. Wegen Kinderarbeit auf Baumwollfeldern und anderer schwerer Menschenrechtsverletzungen gilt das Land als eines der repressivsten der Welt.
Als eine von fünf Agenturen hatte sich Bell Pottinger bereiterklärt, einen solchen Auftrag anzunehmen. Die Reporter filmten daraufhin heimlich zwei Treffen mit Vertretern der Agentur. Einer der PR-Spezialisten brüstete sich damit, dass Bell Pottinger ein Team habe, das "Wikipedia in Ordnung bringen" könne. Um zudem Google-Suchergebnisse zu beeinflussen, würde die Agentur vorgeblich unabhängige Blogs einrichten, die Usbekistan positiv darstellen und beliebte Keywords enthalten. Mit Hilfe dieses Astroturfings würden kritische Inhalte zu Usbekistan in den Suchergebnissen nach unten rutschen. Diese "dunklen Künste" sollten aber nicht in schriftlichen Präsentationen auftauchen, "weil es peinlich wäre, wenn das rauskäme", sagte einer der Bell-Pottinger-Mitarbeiter. Er betonte aber auch, die Agentur setze den Willen zu Reformen im Land voraus. Erst dann sei der Einsatz einer PR-Agentur gerechtfertigt.
Für CIPR-Chefin Jane Wilson zeigen die Astroturfing-Angebote der Agentur ein "schlechtes Einschätzungsvermögen". Wer verspreche, auf diese Art und Weise Google-Suchergbnisse zu manipulieren, übertreibe entweder wissentlich oder sei schlecht informiert. Solche Praktiken würden der gesamten Branche schaden. Sie kritisierte aber auch die Art der Berichterstattung über den Skandal. 
Auch Lord Tim Bell, Vorstandschef der Bell-Pottinger-Muttergesellschaft Chime, ließ verlauten, dass er das Vorgehen des Bureau of Investigative Journalism "nicht ansatzweise als verantwortungsvollen Journalismus" ansehe. Es sei vielmehr eine unethische Täuschung, um eine Story zu fabrizieren, wo keine sei. Gleichzeitig kündigte er interne Untersuchungen an, um disziplinarische Maßnahmen zu prüfen.
Mark Adams, Public-Affairs-Chef bei Lansons, reichte eine Beschwerde bei der Public Relations Consultants Association PRCA ein, bei der Bell Pottinger Mitglied ist. Er setze sich für eine effektive Selbstregulierung ein, schreibt er in seinem Blog.
Wikipedia reagierte ebenfalls auf die Enthüllungen und sperrte zehn Accounts, weil sie möglicherweise von Bell Pottinger benutzt wurden, um die Einträge über Kunden der Agentur zu schönen. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sagte der Financial Times, die Einträge über Bell-Pottinger-Kunden würden auf Interessenkonflikte untersucht, die mit den Richtlinien der Online-Enzyklopädie unvereinbar seien.

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