11.12.2012 |   Twitternde Politiker

Zwitschern im virtuellen Wahlkreis

Politiker schätzen die unmittelbare und spontane Kommunikation via Twitter.
Politiker schätzen die unmittelbare und spontane Kommunikation via Twitter.

Mit "Hallo zusammen! Nun bin auch ich auf Twitter" begrüßte @peersteinbrueck am Wochenende seine bereits fünfeinhalbtausend Follower. Politikerkollegen wie @DoroBaer, @PeterTauber, @MonikaLazar, @EvaHoegl, @Wissing, @UlrichKelber, @BirgitReinemund oder @tirsales haben ihm da schon einiges an Erfahrung voraus.

Vor einigen Wochen hatte der Kanzlerkandidat beim UdL Digital Talk noch erklärt: "Ich twittere nicht." Es mache keinen Sinn, so Steinbrück damals, in einer Welt vertreten zu sein, in der er nicht authentisch sein könne. Prompt galt er für Spiegel Online und tagesschau.de als "Offline-Kandidat". Mit seiner jetzt offiziellen Kandidatur freundet er sich offenbar mit diesem Social-Media-Kanal an.

Direkte, unmittelbare Kommunikation

Dorothee Bär etwa, Familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vorsitzende des CSU-Netzrates, "fand Twitter schon damals, als es noch relativ wenige Menschen in Deutschland genutzt haben, sehr spannend." Was ihr gefiel: "So eine direkte und unmittelbare öffentliche Kommunikationsplattform gab es bis dahin nicht."

Heute, knapp 10.000 Tweets als @DoroBaer später, ist sie immer noch fasziniert von der Unmittelbarkeit und der Spontaneität der Kommunikation via Twitter - ähnliches berichten die Grünen-Abgeordnete @MonikaLazar, unter anderem Sprecherin für Frauenpolitik ihrer Fraktion und Volker Wissing (@Wissing), stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. SPD-Mann Ulrich Kelber (@UlrichKelber) war "als Informatiker natürlich auch technisch interessiert".

Sebastian Nerz hat ursprünglich mit dem Twittern angefangen, als er in der Piratenpartei aktiv wurde und damit quasi unter Gruppenzwang geriet. Offenbar hat er großen Gefallen am Twittern gefunden: Mittlerweile hat der Bundestagskandidat unter @tirsales mehr als 32.000 Tweets abgesetzt.

Unabhängig von Journalisten

Eine weitere Motivation für Politiker ist die "medienunabhängige Kommunikation mit politisch Interessierten", wie es FDP-Frau Birgit Reinemund (@BirgitReinemund) nennt, die Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag. Auch ihr Fraktionskollege Volker Wissing wollte mit seinem Twitter-Account "einen eigenen Nachrichtenkanal" aufbauen. Hat er geschafft: Mehr als 2.600 Twitter-Nutzer folgen ihm.

Der Netzpolitiker Peter Tauber (@petertauber) nutzte Twitter ursprünglich nur, um durch eine Einbindung des Kanals auf seiner Internetseite möglichst aktuelle Informationen anzubieten. Erst nach seiner Wahl in den Bundestag entwickelte sich dieser Social-Media-Kanal für ihn zum "Selbstzweck", berichtet der CDU-Mann: "Jetzt habe ich quasi meinen virtuellen Wahlkreis auf Twitter" - mit mehr als 5.000 Followern. @UlrichKelber sieht den Nutzen von Twitter auch darin, online präsente Journalisten unter seinen knapp 7.800 Followern mit seinen politischen Einschätzungen versorgen zu können.

Die SPD-Abgeordnete Eva Högl versucht sogar, ihre Follower "nebenbei auch im 'realen Leben' zu treffen. Dabei hilft ihr die Lage ihres Wahlkreises: Berlin Mitte.

Spontaneität ist gefragt

Twittern ist für Peter Tauber "eine Mischung aus Diskussion, polemischem Streit, neue Menschen kennenlernen, oft etwas Humor und Informationsaustausch". Auch @dorobaer betont die Unmittelbarkeit und Spontaneität der Konversation in diesem Kanal: "Ich finde Diskussionen oder Beiträge auf Twitter sehr authentisch, weil Tweets in der Regel eben keine sorgfältig formulierten und nach allen Seiten abgewägten Äußerungen sind, sondern schnell und intuitiv kommen."

Auswertung nur sporadisch

Wie die meisten ihrer twitternden Bundestagskollegen wertet @dorobaer den Erfolg ihrer Tweets nicht systematisch aus: Hin und wieder schaue sie sich das eine oder andere Statistiktool an - mehr aus Neugier als aus analytischen Gründen. Für @Wissing sind Tweets "Momentaufnahmen, bei denen meist die eigene Meinung oder Situation im Vordergrund steht". Daher ließe sich Erfolg hier nur sehr schwer definieren. @UlrichKelber interessiert, wie oft bestimmte Tweets retweetet, also weiterverbreitet wurden. @MonikaLazar wertet ebenfalls nicht aus, freut sich aber über "Retweets, Favorisierungen und Antworten auf meine Tweets". Und @petertauber twittert "wie mir der Schnabel gewachsen ist". Über den "Erfolg" entscheide seine Timeline. Und die verzeichnet immerhin mehr als 5.000 Follower.

Wer wissen will, wie sich SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück mit Unterstützung seines Social-Media-Teams auf Twitter schlägt: Am morgigen Mittwoch will sich @peersteinbrueck den Fragen der Nutzer in einem exklusiven "Twitterview" stellen.

Von @hans_sohn.

Lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des PR Report auch, wie Peter Altmaier, Kristina Schröder, Julia Klöckner, Johannes Kahrs, Christian Lindner, Konstantin Notz und Petra Sitte twittern.

Diesen Beitrag


Bookmarken

Kommentare

Sachar am 13.12.2012 um 14:20
Danke für den Bezug zu UdL Digital. Hier der Link zu Sendung, die Du meinst: http://www.udldigital.de/peer-steinbruck-uber-social-media/
 

Diesen Beitrag kommentieren 

Spamschutz

Um zu verhindern, dass hier Roboter Formulare ausfüllen,
bitten wir Sie, die folgende Frage zu beantworten.

Die Beiträge werden von der Redaktion geprüft und innerhalb der nächsten 24 Stunden freigeschaltet.
Wir bitten um Ihr Verständnis.