Der Stadtteil Sachsenhausen ist in Frankfurt am Main bekannt für das Museumsufer und die zahlreichen "Äppelwoi-Kneipen", in denen man lokale Spezialitäten wie Grüne Soße oder eben den hessischen Apfelwein konsumieren kann. Es ist der Standort von Klenk & Hoursch, auch wenn das moderne Bürogebäude, in dem die PR-Agentur am Walther-von-Cronberg-Platz residiert, nicht gerade typisch für den Sachsenhäuser Fachwerk-Baustil ist.
Auch Agenturmitgründer und Namensgeber Stephan Hoursch, eigentlich geborener Hamburger, weiß auch nach 20 Jahren noch nicht, ob er ein überzeugter Frankfurter geworden ist. Also eher HSV- als Eintracht-Frankfurt-Fan im Herzen? "Schauen Sie mich an: Ich habe mit Sport gar nichts am Hut", meint er lächelnd.
2003 hat Hoursch - zusammen mit Volker Klenk - die PR-Agentur Klenk & Hoursch gegründet: "Wir haben damals zu viert angefangen und sind seitdem relativ konstant und schnell gewachsen. Jetzt haben wir 35 Festangestellte." Noch bevor die Agentur offiziell ihren Betrieb aufnahm, schrieb Hoursch
eine eigene Agenturverfassung: "Wir wollten damals von Anfang an Dinge anders machen." In ihr sind die zwölf Werte Qualität, Vielfalt, Ehrgeiz, Kreativität, Effizienz, Einfachheit, Ordnung, Bescheidenheit, Fleiß, Genauigkeit, Kritikfähigkeit und Spaß manifestiert. "Quality First ist das, was wir machen wollen, wie eine deutsche Qualitätsschmiede. Wir wollen wie ein deutscher Maschinenbauer sein. Wir gehen mit sehr viel Investment manchmal in Kunden rein und investieren viel Zeit und Geld in Pitches." Dabei werden unbezahlte Pitches genauso wenig ausgeschlossen wie eine Absage für bezahlte Pitches, die einfach nicht zur Agentur passen.
Spaß? Deutsche Maschinenbauer sind bekannt für ihre Präzision und ihre Qualität, aber fällt der Wert "Spaß" hier nicht ein wenig aus dem Rahmen? "Nein, im Gegenteil: Wir hören hier Pfeifen auf dem Flur. Wir hören auch mal jemanden singen. Und das will ich auch so. In unserer Verfassung steht: Wir wollen zusammen alt werden. Da muss man auch etwas dafür tun. Nach dem Neugeschäft und dem Personal ist der "Spaß" mit Abstand unser größter Kostenblock. Er ist höher als die Miete. Und bei uns bekommen Leute, wenn sie eine bestimmte Arbeitszeit überschreiten, das mit Freizeit ausgeglichen. Das hatten wir früher so auch nicht in Agenturen. Das passiert automatisch, es wird einfach auf den Urlaubsanspruch draufgehauen. Und Urlaub muss genommen werden."
Spaß, aber auch viel Arbeit also? Nein, so Hoursch, die Arbeitszeit sei deutlich unter dem, was er von früher aus Agenturen kenne. "Wir haben einen Satz in der Verfassung: Wir gucken nicht vom Balkon aus zu, bis sich Leute tot arbeiten. Das meinen wir ernst."
Auch um die Agenturverfassungswerte Qualität, Effizienz und Genauigkeit zu garantieren, wird viel getan: "Die Verfassung, die wir haben, hat Ausführungen zu vielen Arbeitsprozessen. Das ist ein dicker Leitz-Ordner voll. Der beschreibt durchformuliert Arbeitsprozesse für den Kunden und die Agentur - von der Ablage bis zum Korrekturlesen einer Pressemitteilung. Das ist sehr prozessorientiert. Trotzdem werden dadurch nicht bürokratisch, sondern schnell. Wir suchen nichts, wir haben es einfach!" Also kein spontanes Brainstorming am Nachmittag, um neue Ideen zu bekommen? "Natürlich gibt es hektische Zeiten und ein Brainstorming ist ein Brainstorming, aber ein unstrukturiertes Brainstorming werden Sie bei uns nicht finden. Das ist alles organisiert. Da gibt es einen Prozess dafür."
Und wenn jemand Fehler nicht sieht, ärgert Hoursch das richtig: "Kritikfähigkeit ist wichtig. Ich hab irgendwo mal reingeschrieben: Wer Fehler nicht sieht und nicht benennt, der hat unsere Kultur nicht verstanden. Wir haben zum Beispiel einmal im Monat Agenturmeeting. Da sprechen wir darüber, wer was gemacht hat. Natürlich neigen Leute dazu, sich dann kollektiv auf die Schulter zu klopfen. Das geht nicht. Man muss die Fehler sehen, es muss daran gefeilt werden wie bei einem Werkstück. Das ist manchmal schmerzhaft." Neben fest terminierten Jahresgesprächen gehen Hoursch und seine vier Partner sehr viel mit Mitarbeitern essen, mindestens zweimal im Jahr mit jeden Mitarbeiter: "Dafür muss es nicht immer einen Grund geben. Es geht nicht immer um Businessthemen, wir versuchen auch darauf zu achten, wie es den Mitarbeitern persönlich geht."
Eine besondere Rolle spielt auch die Marktforschung in der Agentur: "Zum einen kann der Content für unsere Kunden genutzt werden. Das kann von Mafo-Einzelprojekten bis zu 50.000 - 60.000 Euro Studienprojekten gehen, bei denen man schon mal ein Jahr dran zu knabbern hat und womit man eine Agenda setzen kann." Zum anderen werden für die Kunden Botschaften getestet, Copytests gemacht und Fokusgruppen interviewt. Hoursch: "Wir wollen eben eine Agentur sein, die nicht ohne Strategie umsetzt, aber die eben umsetzt. Und das klappt auch gut. Da ist Mafo ein wichtiges Instrument." 25 Kunden werden aktuell von Klenk & Hoursch betreut, nur einer davon ohne abgestimmte Strategie. Das Investment im strategischen Bereich kann dabei von ein paar Workshop-Tagen pro Jahr für die Überprüfung der langfristigen Strategie bis zur Hälfte des Gesamtbudgets bei einem umfangreichen Erstauftrag umfassen: "Bei den meisten Kunden ist der Anteil der Strategie beim Budget aber immer noch der kleinste Teil."
Als ich die PR-Agentur verlasse, versuche ich, die Klenk & Hoursch Agenturverfassung gleich mal privat umzusetzen: Ich bestelle mir in der nächsten Apfelweinkneipe einen 4er Bembel, damit ich nicht so oft bestellen und der Kellner nicht so oft laufen muss - und habe richtig Spaß dabei.
Oliver Hein-Behrens