04.02.2010

Viel Feind’, viel Ehr’?

Wer kannte Norbert Essing, den es eigentlich gar nicht gibt? Und wer wusste, dass man von Autobahnraststätten aus Faxe verschicken kann?

Die Zahl der Wissenden dürfte überschaubar gewesen sein. Zumal vielen jungen Leuten gar nicht mehr bekannt gewesen sein dürfte, dass es den Faxversand noch gibt. Ähnlich wird es sich wohl mit der Kenntnis über die Person Harald Christ verhalten haben, der Presseberichten zufolge derzeit prüft, Strafanzeige gegen Essing zu stellen. Der Kommunikationsberater soll den Manager vor zwei Jahren anonym per Fax mit Pädophilie in Zusammenhang  gebracht haben.

Seit einem Artikel über das Fax in der jüngsten Ausgabe des „Spiegel“ hat sich der Informationsstand zu Essing und Christ verbessert. Vor allem darüber, dass Christ homosexuell ist. Ein doppelseitiges Interview in der „Frankfurter Rundschau“ widmet sich diesem Umstand. „SZ“ und „Handelsblatt“ fragen immerhin auch, warum Essing das Fax geschickt haben könnte. Christ vermutet, Essing habe sich darüber geärgert, dass Christ den Beratervertrag nicht verlängerte, als er 2007 von HCI zum WestLB-Konzern wechselte. Wäre Essing wirklich so uncool? Nach seinen Angaben war er 2005 von HCI Capital damit beauftragt worden, den Börsengang zu begleiten. Christ war damals geschäftsführender Gesellschafter der Fondsgesellschaft.

Was auch immer den Absender des Fax getrieben haben mag – Die GPRA stellt zurecht klar: „Verleumdung und Nötigung sind kriminell und haben mit PR schlicht gar nichts zu tun." Möge die Pressemitteilung nicht ungehört verhallen. Einige Schlagzeilen der jüngsten Zeit gereichen der Zunft nicht zur Ehre. Kai von Bargen hat sich selbst wegen fingierter Forderungen seines Arbeitgebers, die er an eine Bank verkauft haben soll, angezeigt. Ebenfalls selbst angezeigt hat sich der Wiener PR-Mann Peter Hochegger wegen nicht versteuerter Honorare beim Verkauf von Bundeswohnungen – und die „Buwog-Affäre“ zieht weitere Kreise. Die „Financial Times Deutschland“ berichtet nun, in einem Nachfolge-Kampf um den Aufsichtsratsvorsitz würden sich der scheidende AR-Chef und sein Kandidat CNC Comunications bedienen und die Agentur aus dem AR-Budget und damit von Infineons Aktionären bezahlen.

Kein Geheimnis ist, dass sich manch einer in der Branche angesichts der Berichterstattung über den „Fall Essing“ vergnügt die Hände reibt. Essing nimmt’s nach eigener Aussage gelassen und ist da, wo er gewöhnlich zu finden ist: Auf Achse. (fo)

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