24.02.2012 |   Reputationsrisiko Lieferkette

Apples Transparenzbemühungen: "durchsichtiges PR-Manöver"?

Erstmals durften Journalisten beim chinesischen Apple-Zulieferer Foxconn drehen
Erstmals durften Journalisten beim chinesischen Apple-Zulieferer Foxconn drehen

Der traditionell verschlossene Apple-Konzern hat nach der anhaltenden Kritik an den Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette einem Kamerateam die Pforten zu seinem asiatischen Zulieferer Foxconn geöffnet. Foxconn machte in den letzten Jahren mit schlechten Arbeitsbedingungen und einer Serie von Mitarbeiterselbstmorden von sich reden. 

Dass ausgerechnet der Fernsehsender ABC einen Blick in die Fabrik werfen durfte habe "einen pikanten Beigeschmack", schreibt die "Financial Times Deutschland". Der Sender gehört dem Disney-Konzern, dessen größter Anteilseigner der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs war. Disney-Chef Robert Iger sitzt zudem im Apple-Verwaltungsrat. Aufgrund der Nähe des Konzerns zu Apple sei die Sendung ein "durchsichtiges PR-Manöver". Dagegen spricht: Gleich zu Beginn der Sendung legte ABC die Verbindungen zwischen Apple und dem ABC-Mutterkonzern Disney offen.

Nach der Sendung kommentierte Apple eine Aussage des Films, die das Unternehmen "missverständlich" fand: Eine Mitarbeiterin, die am Fließband gefräste iPad-Bauteile reinigt, müsse pro Tag nicht 6000 Mal den gleichen Handgriff ausüben, wie im Film dargestellt - sondern nur 3000 Mal. 

In einem Artikel in der "New York Times" warfen Ende Januar frühere Manager dem Apple-Konzern vor, nicht genügend gegen die Ausbeutung der Mitarbeiter zu unternehmen und bei Missständen beide Augen zuzudrücken, solange die Produktionskosten niedrig bleiben. Dagegen protestierten Anfang Februar Anhänger der Occupy-Bewegung in Hamburg in einem Apple-Store.

Nachdem Inspektionen bei Foxconn wiederholt Verstöße offenbart hatten, trat Apple vor wenigen Wochen als erster Elektronik-Hersteller der Organisation Fair Labor Association (FLA) bei, die für bessere Arbeitsbedingungen weltweit sorgen will. Apple verschaffte FLA-Inspektoren erstmals Zugang zu den Foxconn-Fabriken. Zudem legte Apple erstmals die Liste seiner 156 Zulieferer offen. 

Der neue Apple-Chef Tim Cook entgegnete auf die Vorwürfe: "So sind wir nicht." Laut "Bloomberg" sprach hingegen FLA-Chef Auret van Heerden nach einer ersten Inspektion von "zahlreichen Problemen" bei Foxconn, ohne Details zu nennen. Der offizielle Untersuchungsbericht der FLA wird im März erwartet. 

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