04.06.2012 |   Karrierekongress "Sommer Symposium"

"Die PR ist eine durchakademisierte Welt"

Quelle: http://www.sommer-symposium.de
Quelle: http://www.sommer-symposium.de

Berufseinsteiger haben es in der PR nicht immer leicht. Die Karrierewege sind verschlungen, die Verdienstchancen schwankend, die Aus- und Weiterbildungswege so vielvältig wie unübersichtlich: Kurzum: Es fehlt an Orientierung. Beim Karrierekongress "Sommer Symposium" des PR Career Centers am vergangenen Samstag in Düsseldorf bekamen Young Professionals Antworten auf ihre drängendsten Fragen.

Ein Studium ohne Abschluss? "Früher war das vielleicht mal sexy, heute nicht mehr." Prof. Dr. Alexander Güttler, GPRA-Präsident und Podiumsgast beim vierten Sommer Symposium des PR Career Centers, machte keine Umschweife. "Die PR ist eine durchakademisierte Welt", da komme man ohne Hochschul-Urkunde nicht weiter. Und auch wenn sich Tino Fritsch, Kommunikationschef und Pressesprecher der SGL Group, mit der Empfehlung "man sollte etwas abgebrochen haben" einen amüsanten Versprecher leistete, meinte er doch dasselbe wie sein Vorredner. "Ich wollte sagen, man sollte etwas abgeschlossen haben."

Zusammen hatten Güttler und Fritsch die erste Diskussionsrunde im großen Seminarraum des Düsseldorfers NH-Hotel City Nord eröffnet und waren sich in fast allen Fragen, die ihnen von rund 50 Young Professionals aus dem Publikum gestellt wurden, einig. "Abschlüsse in BWL, VWL und Jura werden bei Bewerbungen bevorzugt", antwortete Güttler auf die Frage nach der Wahl des Studiengangs. Den Grund schob Fritsch sogleich nach: "Wenn Sie wirtschaftliche Zusammenhänge nicht verstehen, sind Sie außen vor. Dann werden Sie vom Top-Management nicht ernst genommen." Ob Bachelor oder Master spiele dabei keine große Rolle, mache monatlich aber 300 bis 400 Euro Unterschied im Portemonnaie aus. Zur Erleichterung vieler Kongressteilnehmer zähle auch der gute alte Magister noch etwas - meist sogar mehr als ein Master.

Impulse für den nächsten Karriereschritt

Jeweils rund eine Stunde berichteten insgesamt elf Branchenkenner aus Agenturen wie Ketchum Pleon und Unternehmen wie Grünenthal aus Aachen über ihren Berufsalltag. In halbstündigen Einzelcoachings konnten sich die Teilnehmer des Karrierekongresses zusätzlich individuelle Tipps und Ratschläge für die berufliche Weichenstellung holen. "Das Coaching hat mir richtig gute Impulse gegeben. Ich habe in meinem Gespräch ganz konkrete Anregungen für meinen nächsten Karriereschritt bekommen. Eine tolle Erfahrung", freut sich Julia Piaseczny aus Frankfurt.

Krisen- und Produkt-PR, Veränderungskommunikation und Public Affairs: Spezialisten hatten die Veranstalter des Symposiums aus den unterschiedlichsten Disziplinen eingeladen. Von besonderem Interesse war unter den Young Professionals indes das allgegenwärtige Thema Social Media. "Es gibt keine Social-Media-Ausbildung, das ist Quatsch", machte Albert Fetsch, Pressesprecher und Leiter der externen Kommunikation bei O2, klar. "Wir setzen auf Leute, die Social Media affin sind und viel Leidenschaft mitbringen."

Leidenschaft sei stets die Grundvoraussetzung, wie auch Güttler betont: "Man muss sich in Themen hineinfräsen und sehr gut auskennen. Extreme Tiefe ist ein Karrierebooster." Zusammen mit der Fähigkeit, sich und seine Ideen gut zu präsentieren, sei das auf dem Weg zu einer erfolgreichen PR-Karriere viel wichtiger als beispielsweise pure Textkompetenz, die von Young Professionals in Umfragen häufig als vermeintlich wichtigste Fähigkeit genannt wird. "Wer keine Lust hat, sich zu quälen, wird nicht weiterkommen", so der Tenor. Doch deutlich wurde auch: Die "Quälerei" kann ungeheuer viel Spaß machen.

Von Martin Michel,
Teilnehmer des 4. Sommer Symposiums in Düsseldorf und Junior Berater bei der Agentur JP|KOM.

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Kommentare

Christian Salzborn am 05.06.2012 um 08:54
"Abschlüsse in BWL, VWL und Jura werden bei Bewerbungen bevorzugt" - Lustig. Und was ist mit diplomierten Medien- und Kommunikationswissenschaftlern (Uni), die nicht nur einen Schwerpunkt auf Presse- und PR-Arbeit haben, sondern im gegensatz zu vielen Quereinsteigern auch noch die Grundlagen der Kommunikationswissenschaft gelernt haben? Warum werden originäre PR-Studiengänge nicht mit einem Wort in dem Beitrag erwähnt.?
 
Philip Müller, PR Career Center am 05.06.2012 um 10:48
...ok, das kann man tatsächlich missverstehen. Gemeint war eher: Am besten gerüstet ist, wer zusätzlich zum kommunikativen Know-how betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringt.

Ein Jurist oder Betriebswirt, der den Unterschied zwischen interner und externer Kommunikation nicht kennt, hat natürlich keine Chance in der Branche. Aber auch ein Geisteswissenschaftler, der sich betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen verschließt, wird es sehr schwer haben, eine Führungsposition zu erreichen und Entscheidern im Unternehmen auf Augenhöhe zu begegnen.
 
Christian Salzborn am 05.06.2012 um 11:02
Hatte mir auch schon gedacht, dass es hier nur missverständlich formuliert war. Danke für die Antwort! Grüße
 
Gernot Mantz am 05.06.2012 um 16:40
Die von den Referenten geäußerte Meinung, ohne Hochschulabschluss sei der PR-Beruf kaum erfolgreich zu bestehen, möchte ich relativieren: Gute Karrierechancen - vor allem in kleineren oder mittelgroßen Agenturen und für ebensolche Kunden - haben andere Studienrichtungen auch. Hier ist oft auch der "Abgebrochene" durchaus noch sexy. Vorkenntnisse (inkl. Studium) von Publizistik, Journalistik o.ä. sind weiterhin begehrte MA-Kenntnisse. Unternehmen wollen i.d.R. weiterhin vor allem eins: Resonanz in den Medien (inkl. S.M.). Kann eine Agentur nicht journalistisch formulieren, ist sie schnell draußen. Es sei denn, allein Konzepte sind nachgefragt - und das ist eher selten. Nach meiner (Lehr-)Erfahrung können nur etwa 20 % Text - aber genau diese Fähigkeit wird dringender denn je gebraucht. Man muss sich nur die Pressemappen auf Messen einmal anschauen ... und ansprechend getextete Aktennotizen, Info-Briefe oder -broschüren muss der PR-Mensch ebenso können. Übrigens: Mit Twitter & Facebook & Co. ist der "geschliffene Kurztext" wieder da!
 
Thomas Pleil am 07.06.2012 um 11:01
Die Klarstellung des missverständlichen Zitats ist sehr wichtig, vielen Dank hierfür an Philip Müller. Da die Frage nach den Wegen in die PR und nach möglichen Anforderungen auch bei unseren Studierenden und von Studieninteressenten immer wieder diskutiert wird, habe ich ein paar Aspekte dazu in meinem Blog aufgegriffen: http://thomaspleil.wordpress.com/2012/06/07/welcher-weg-fuhrt-in-die-pr/
 
Marcus Ewald am 21.06.2012 um 14:00
Lieber Herr Michel,

ich muss Ihnen zustimmen: Ohne Leidenschaft für die Branche geht nichts. Aber ist es nicht so, dass die PR immer tieferes Wissen um ureigenste Vorgänge voraussetzt? Es wäre doch vernünftig, diese Vorgänge zu studieren - statt Jura, statt BWL. Und das geht mittlerweile an einigen Unis in Deutschland. Vielleicht sollten sich die Recruiter ein wenig auf Masterabsolventen in Unternehmenskommunikation konzentrieren ;)

Ich konnte nicht widerstehen, dazu ebenfalls einen Blogbeitrag zu verfassen:
http://www.media-advice-blog.de/post/PR-Karrieren%3A-Studieren-geht-%C3%BCber-probieren
 

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