14.12.2012 |   Gastbeitrag von Zimpel-Chef Laurin Paschek

Vom Abgesang auf die deutsche Medienlandschaft

Zimpel-Geschäftsführer Laurin Paschek
Zimpel-Geschäftsführer Laurin Paschek

Eine Zunft schreibt sich selber ab - unter diesem Motto könnte man die Kommentare zusammenfassen, die in letzter Zeit die Medien dominieren. Hintergrund ist die Häufung von Hiobsbotschaften rund um das drohende Aus renommierter Zeitungen. Das Internet, so wird die Furcht beschworen, wird der deutschen Medienlandschaft nun bald den Garaus machen.

Es geht um 90.000 Menschen

Bevor wir nun aber den Abgesang auf einen ganzen Wirtschaftszweig beginnen, lohnt sich ein Blick auf die Fakten. Dabei ist ein quantitativer Blick in die Zimpel-Datenbank sehr hilfreich: Rund 90.000 Werktätige verdienen ihr täglich Brot in Deutschland mit dem Journalismus. Etwa die Hälfte davon sind in einem festen Arbeitsverhältnis, der Rest sind an bestimmte Medien gebundene, sogenannte "Feste Freie", oder aber gänzlich freischaffende Journalisten.

Würden alle deutschen Journalisten in ein und demselben Unternehmen arbeiten, dann käme man auf eine Mitarbeiterzahl vergleichbar der Deutschen Bank oder BMW – nimmt man nur die fest Angestellten, dann liegt man im Bereich von Dax-Unternehmen wie Merck oder Henkel.

Natürlich arbeiten die Journalisten aber nicht in nur einem Unternehmen, und das ist auch gut so. Denn die Vielfalt macht ja gerade den Reiz der deutschen Medienlandschaft aus. Ein genauerer Blick zeigt: die meisten Journalisten arbeiten bei den Zeitschriften. Mit 26,9% stellen die Publikumszeitschriften in der Zimpel-Datenbank die größte Journalisten-Gruppe, gefolgt von den Fachzeitschriften mit 21,8%. Erst an dritter Stelle rangieren die Zeitungen, die inklusive Anzeigenblätter auf 19,2% kommen. Bei Onlinemedien und Blogs arbeiten genau 12,0% der Journalisten in der Zimpel-Datenbank, gefolgt von den "klassischen" elektronischen Medien - Radio und TV - mit 8,9%. Die letzte große Gruppe in dieser Statistik sind die "echten" Freischaffenden, vor allem selbständige Journalisten im eigenen Pressebüro mit 6%.

Im Bereich Corporate Publishing sind 3,9% vor allem mit dem Erstellen von Kundenmedien für Unternehmen beschäftigt; die Korrespondenten und Nachrichtenagenturen schließlich kommen auf einen Anteil von 1,3%.

Vielfalt ist gefragt

Warum haben wir in Deutschland eine so vielfältige, so facettenreiche Medienlandschaft? Weil die Leser es goutieren. Weil es eine Nachfrage gibt. Dass diese in Teilen auch über das Internet gedeckt werden kann, steht außer Frage. Genauso steht aber auch außer Frage, dass die heutige, von professionellen Journalisten gestaltete Vielfalt an Medien nicht durch eine Heerschar von Hobbyschreibern im Internet ersetzt werden kann. Der Begriff vom Qualitätsjournalismus scheint abgedroschen: den wahren Wert eines Artikels macht jedoch sein Informationsgehalt und nicht der mediale Kanal aus.

In unserer von Zeitnot geprägten Informationsgesellschaft wird die qualitative, journalistische Wertschöpfung auch in Zukunft ihren Stellenwert haben – und bezahlt werden. Wenn denn die Medienhäuser es sich bezahlen lassen. Geschäftsmodelle, die fehlende Online-Erlöse mit sinkenden Printerlösen auszugleichen versuchen, werden da nicht weiterhelfen. Es ist eben nicht nur an den Journalisten, sondern vor allem an den Verantwortlichen in den Medienhäusern, hier an zeitgemäßen Lösungen zu arbeiten.

Und diese können sehr vielfältig, sehr facettenreich sein. Beispiele gibt es durchaus: die Wissenschaftsverlage etwa, die schon heute einen beachtlichen Anteil ihrer Erlöse durch elektronische Zeitschriften- und Bucharchive erwirtschaften. Oder die Fachverlage im Bereich Recht und Steuern, die ihre Informationsangebote durch workflow-unterstützende Software anreichern und veredeln. Die Wege sind vielfältig, mitunter kann der Weg auch sehr weit sein.

Aber für einen Abgesang auf die deutsche Medienlandschaft ist es zu früh.

Von
Dr. Laurin Paschek,
Geschäftsführer der Zimpel Media-Daten GmbH in Wiesbaden.

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