27.02.2013 |   Scholz & Friends-Kommunikator Markus Mayr berichtet von seiner Weltreise

"Alle haben begeistert reagiert"

Eine längere Auszeit von Scholz & Friends,...
Eine längere Auszeit von Scholz & Friends,...
...hat sich Markus Mayr 2012 gegönnt.

Den Traum von einem Sabbatical hegen viele PR-Profis, doch nur wenige verwirklichen ihn. Markus Mayr, Leiter Unternehmenskommunikation bei Scholz & Friends, war im vergangenen Jahr 111 Tage lang auf drei Kontinenten unterwegs.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Sabbatical zu nehmen? Was war das Ziel?

Markus Mayr: Den Traum eines Auslandsaufenthalts hatte ich bereits während des Studiums. Doch irgendwas kam immer dazwischen, ein neuer Job, eine neue Stadt. Nach vier Jahren in Hamburg und bei Scholz & Friends sah ich für mich die richtige Zeit gekommen, das Thema in Angriff zu nehmen. Was die Ziele betrifft: Wer sich Ziele setzt, setzt sich selber unter Druck. Und das ist für eine "Auszeit" nicht die beste Ausgangslage. Mir war klar, dass vier Monate für einen "Selbsterfahrungs-Trip" zu kurz sein würden. Und dennoch hatte ich viele Vorstellungen, da einige Bekannte kurz vor mir eine ähnliche Weltreise unternommen und mir davon berichtet hatten. Wenn ich konkrete Ziele hatte: Ich wollte die Welt sehen, Vorurteile abbauen, Menschen kennenlernen und mein Spanisch in Südamerika aufpolieren. Warum da gar keine beruflichen Ziele mit verbunden sind? Weil es für mich von vornherein eine "Auszeit" war.

Wie haben Freunde, Kollegen und Vorgesetzte reagiert?

Mayr: Von der Familie über Kollegen bis zum CEO der Agentur haben alle mit Begeisterung reagiert und mich entsprechend unterstützt. Ein Sabbatical ist immer auch eine Belastung für den Arbeitgeber. Gemeinsam mit ihm muss man Strukturen schaffen, um die eigene Auszeit zu überbrücken. Scholz & Friends bin ich deshalb dankbar, dass sie mir - ohne zu zögern - diese Reise ermöglicht haben. Und meinen Kollegen, dass sie mich trotz der vielen Fotos auf Facebook immer noch mögen.

Welche Erlebnisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Mayr:
Auch wenn die Wasserfälle von Iguazu und das Great Barrier Reef einzigarte Naturspektakel sind, hatten die besonderen Erlebnisse immer mit Menschen zu tun. So habe ich in einem verlassenen Kinosaal einen Neuseeländer getroffen, der mich spontan in seinem Auto mitgenommen und mir "sein Land" gezeigt hat. Diese Art der Gastlichkeit hat mich sehr inspiriert. Überhaupt scheint es gerade in diesem Punkt noch ein starkes Defizit in Deutschland zu geben. So könnte ich zahlreiche Geschichten erzählen über Menschen, die mir eine Schlafgelegenheit angeboten haben, obwohl wir uns erst fünf Minuten kannten. Leichtsinn oder Offenheit? Wahrscheinlich stellt man sich nur in Deutschland diese Frage. Mir wurde mehrfach klar, wie klein die Welt heutzutage doch geworden ist. So habe ich jemanden aus Portugal getroffen, der in Kanada lebt und dort Englisch und Deutsch unterrichtet. Internationalität pur. Wie sehr die moderne Kommunikationslandschaft die Welt zusammenführt, sieht man an einem ganz einfachen Beispiel: Egal, mit wem ich mich unterhalten habe, die letzte Frage war immer dieselbe: "Bist du auf Facebook?"

Inwieweit profitieren Sie heute von Ihrer Auszeit?

Mayr: Da ich gerade erst wieder zurückgekommen bin, muss ich meine Reise und die damit verbundenen Erlebnisse immer noch verarbeiten. Vier Monate Extrem-Sightseeing mag für Japaner kein Problem sein, mein europäisches Gehirn wurde doch stark beansprucht. Allein die Eindrücke, die eine Metropole wie Tokio bereithält, haben mich täglich überfordert. Dennoch profitiere ich bereits jetzt von der Reise. Ich habe einige Erkenntnisse über mich persönlich und die Welt allgemein gewonnen. Die wichtigste: Jedes Land ist besonders. Japan beispielsweise ist eine komplett andere Welt, in der die Regeln unserer Gesellschaft - und damit auch unserer Kommunikationslandschaft - nicht gelten. Eine wahnsinnig spannende Zeit, in der ich gelernt habe, dass man mit lediglich fünf Sätzen, seinen Händen und einer tiefen Verbeugung unheimlich weit kommen kann. Wer keine Termine hat und niemanden, der auf einen wartet, erfährt das große Glück der Gelassenheit. Ob der Bus fünf Stunden Verspätung hat oder der Flieger ausfällt, spielt irgendwann keine Rolle mehr. Entscheidend ist am Ende, sich ein Stück dieser Gelassenheit in der Heimat zu bewahren.

Wie schnell hat Sie nach der Auszeit die Hektik des Alltags wieder eingeholt?

Mayr: Mein Vorteil lag darin, dass ich direkt im neuen Jahr angefangen habe, als ein Großteil der Kunden und Kollegen - auch die von der Presse - entweder noch im Urlaub waren oder den Silvester-Kater verdauten. Ich kann nur empfehlen, erst einige Tage später alle Kolleginnen und Kollegen von seiner Rückkehr in Kenntnis zu setzen. So kann man sich in Ruhe wieder an den Alltag gewöhnen. Wenn es die Kollegen über Monate ohne einen ausgehalten haben, werden sie es auch drei weitere Tage schaffen.

Interview: Andrea Munz

Mehr zum Thema Sabbaticals und Work-Life-Balance in der PR finden Sie in den nächsten Tagen hier auf prreport.de und in der März-Ausgabe des PR Report.

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