
Die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) stellt seit Ende Oktober 2009 vier Mal im Jahr einen Vertrauensindex vor. Kooperationspartner sind die "Wirtschaftswoche" und der PR Report. Im Auftrag der GPRA befragt das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnids regelmäßig 1.051 Personen zu ihrem Vertrauen in acht ausgewählte Branchen der deutschen Wirtschaft.
Exklusiv für den PR Report untersucht der Juni-Index zudem die Frage: Welchen öffentlichen Institutionen vertrauen Sie? Gefragt wurde nach dem Vertrauen in Polizei, Universitäten, Bundesverfassungsgericht, Bundeswehr, städtische Behörden, öffentlich-rechtliches wie privates Fernsehen, Gewerkschaften, Kirchen, Presse und Parteien.
Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Zutrauen in die Polizei (91 Prozent), in Universitäten und in das Bundesverfassungsgericht (jeweils 78 Prozent). Auf Parteien (19 Prozent) setzen mit deutlichem Abstand die wenigsten der insgesamt 1.051 Befragten. Auch die Kirchen und die Presse kommen mit jeweils 39 Prozent bei der Vertrauensfrage nicht so gut weg.
Deutliche Unterschiede werden sichtbar, wenn man die Ergebnisse nach Ost- und Westdeutschland differenziert. Hier zeigt sich, dass die ostdeutschen Befragten weniger vertrauensselig sind als Menschen aus Westdeutschland. Besonders deutlich ist dies beim Bundesverfassungsgericht. Im Westen verlassen sich 83 Prozent der Befragten auf dieses Organ, im Osten hingegen nur 58 Prozent. Auch auf Universitäten bauen Ostdeutsche (62 Prozent) deutlich weniger als Westdeutsche (82 Prozent). Gleiches gilt für die Bundeswehr: Während der Truppe im Westen 72 Prozent der Befragten vertrauen, tun dies im Osten nur 56 Prozent.
Der Altersvergleich zwischen den Umfrageteilnehmern macht deutlich, dass sich die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen am ehesten auf öffentliche Institutionen verlässt.
Die Aufschlüsselung nach Frauen und Männern ergibt geringe Abweichungen im Vertrauen gegenüber öffentlichen Institutionen. Insgesamt stehen Frauen den abgefragten Einrichtungen eher kritisch gegenüber. Allein dem Privatfernsehen und städtischen Behörden vertrauen sie mehr als die männlichen Umfrageteilnehmer.

Sechs der acht betrachteten Branchen verzeichnen einen Vertrauenszuwachs. Nur die Lebensmittel- und die Informationstechnologie-Branche müssen leichte Rückgänge ihrer Indexwerte hinnehmen. Die Lebensmittelwirtschaft (Indexwert: 42,2) sinkt damit erstmals seit Beginn der Umfrage im Oktober 2009 auf den zweiten Rang. Gründe hierfür könnten die jüngsten Meldungen über dioxinverseuchtes Geflügelfleisch und der Skandal um das Enzym Thrombin sein. Dieser Lebensmittelzusatz wirkt wie ein Klebstoff, der kleine Fleischstücke miteinander verbindet. Erstmals übernimmt die Automobilebranche mit einem Indexwert von 44,4 die Führung. Den dritten Platz belegt die Gesundheitswirtschaft (Indexwert: 42,1). Im Vertrauensindex vom März 2010 verzeichnete die Gesundheitsbranche noch einen Wert von 38,8 und lag damit an dritter Stelle des Ranking. Im Gegensatz dazu führte das gesunkene Vertrauen in die IT-Branche dazu, dass sie aktuell auf dem vierten Platz rangiert. Es folgen in der Reihenfolge unverändert Verkehr und Transport (Indexwert: 39,5), Chemie (37,6), Energie (36,4) und Finanzen (33,7).
