"Content ist Treiber"
Seit fast zwei Jahren steht Marco Wedemann an der Spitze von Havas PR Germany und ist zugleich Chief Content Officer von Havas Worldwide Germany. Im Oktober vergangenen Jahres hat die Netzwerkagentur mit Havas Content ein integriertes Angebot für Content Marketing auf den Markt gebracht. Seitdem hat sich bei der Netzwerkagentur einiges getan: Christian Claus übernahm offiziell die Führung von Havas Worldwide Germany und ist wieder weg. Mit Thomas Funk kam ein Managing Director Europa, der inzwischen auch das Deutschland-Geschäft verantwortet. Die auf Social Media spezialisierte Agentur Beebop wurde gekauft, weitere Akquisitionen seien geplant, wie es heißt. Und auch Havas Content hat sich weiterentwickelt.
Herr Wedemann, wo stehen Sie mit Ihrer Unit in dieser Welt der fischerAppelts, C3s, Territorys und Plan.Nets?
Das Besondere an Havas Content ist, dass es eben keine Unit ist. Stattdessen arbeiten die Kollegen Disziplinen übergreifend und integriert auf unseren Kunden. Genau das erfordern Aufgaben wie die Erarbeitung und Umsetzung einer Markenstrategie und die Implementierung von Content Marketing-Projekten. Aktuell arbeiten für Havas Content Strategie, Redaktion, Kreation, Digital und Data standortübergreifend für Kunden verschiedenster Branchen. Unter der Marke bieten wir 50 Leistungsbausteine aus den drei Bereichen Content Strategie, Dynamic Publishing und Community Management.
Wie profilieren Sie sich?
Havas ist in allen wichtigen Bereichen der Markenkommunikation stark aufgestellt - von Kreation über Strategie bis hin zu PR und Digital. Ein weiterer strategischer Vorteil gegenüber unseren Wettbewerbern ist das internationale Havas-Netzwerk und die enge Zusammenarbeit mit unseren Kollegen von Havas Media. Mit 12.500 Mitarbeitern und Agenturstandorten in über 75 Ländern können wir Content für jeden wichtigen Markt skalieren. Das ist für international agierende Unternehmen und Marken häufig ein ausschlaggebendes Kriterium für ihre Agenturwahl. Die dritte Säule ist die enge Partnerschaft der Havas Gruppe mit Vivendi beziehungsweise der Universal Music Group. Unsere Kunden haben dadurch Zugriff auf den erstklassigen Content eines der weltgrößten Medienhäuser.
Wie fällt Ihr Zwischenbericht nach rund einem dreiviertel Jahr aus?
Der Erfolg von Havas Content in Deutschland hat unsere Erwartungen übertroffen: 80 Kundentermine zum neuen Angebot bei Bestands-, vor allem aber auch bei Neukunden, mit dem Ergebnis von mehr als 40 Projekten und dem Gewinn von 20 Neukunden - die meisten ohne Pitch. Auch im Falle von Pitches sind wir mehr als zufrieden: eine Pitch Conversion-Rate von 75 Prozent zeigt, dass wir mit unserem Angebot auf dem richtigen Weg sind. Die starke Nachfrage nach Content innerhalb der Havas-Gruppe offenbart zudem, dass das Thema, verglichen mit klassischen Kommunikationsdienstleistungen, ein echter Wachstumstreiber ist. Die immer schneller voranschreitende Digitalisierung wirkt hierbei noch zusätzlich als Katalysator. Unser Contentangebot kommt im Crossbusiness bei Bestandskunden wie AachenMünchener Versicherung, Peugeot, Deutsche Asset Management gut an. Aber auch viele Neukunden haben wir für uns gewonnen, zum Beispiel Chiquita, EDB Singapore, Deutsche Bank, RaboDirect, Olympus oder Allergan.
Ihre Content-Wettbewerber haben sich in letzter Zeit mit ehemaligen Journalisten verstärkt. Sie hatten anfangs gleich Philipp Coenen, Ex-Unterhaltungschef bei "Closer", und Sylvia Meixner, die unter anderem für die "Bunte" geschrieben hatte, an Bord geholt. Wie ist es redaktionell bei Ihnen weitergegangen?
Wir haben in den vergangenen Monaten stark in die Erweiterung unserer Redaktion investiert. Zuletzt sind mehrere erfahrene Journalisten von Verlagshäusern zu uns auf die Agenturseite gewechselt. Alexander Nebe beispielsweise ist seit Anfang des Jahres bei uns als Redakteur tätig. Er war zuletzt neun Jahre Redaktionsleiter bei der "Gala". Journalisten reizt an einer Tätigkeit bei uns insbesondere, dass Sie nicht nur redaktionell, sondern auch konzeptionell an Projekten mitwirken und mitgestalten können. Ein weiteres Feedback der Redakteure ist, dass sowohl die Varianz der Formate wie Magazine, Content Hubs oder Blogs, als auch die Themenvielfalt unserer Kunden inspirierend für sie sind.
Ihr PR-Geschäft haben Sie in Hamburg zentralisiert. Was ist bis jetzt dabei herausgekommen?
Deutschlandweit hat Havas die Profile der Standorte präzisiert und dabei die jeweiligen Stärken gestärkt. Hamburg ist daher folgerichtig der zentrale Standort für PR, Düsseldorf für kreative Exzellenz. Insbesondere für unser Content-Angebot arbeiten wir in Deutschland in einer Matrixstruktur. Das hatte zudem den positiven Nebeneffekt, das Silodenken an allen Standorten abzulegen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in Zahlen wider: Waren vor anderthalb Jahren nur rund zwei Prozent unserer Projekte integriert, so sind es heute 40 Prozent. Dies liegt zu großen Anteilen in unserem Content-Angebot begründet.
Marco Wedemann (44) kam im Herbst 2014 von fischerAppelt und folgte auf Lars Cords als CEO von Havas PR