16.11.2012 |   Indra Zemzoum über Social Media Marketing bei Axel Springer

"Schwarmintelligenz ist ein faszinierendes Phänomen"

Indra Zemzoum, Social Media Marketing Manger bei Axel Springer in Berlin
Indra Zemzoum, Social Media Marketing Manger bei Axel Springer in Berlin

Als Social Media Marketing Managerin betreut und entwickelt Indra Zemzoum Werbeformate des Axel Springer-Verlags im Social Web. Bei aller Faszination für Pinterest, Facebook, Twitter & Co.: Privatsphäre hält die Marketing-Expertin keineswegs für ein überholtes Konzept.

Frau Zemzoum, Ihre Pinnwand auf Pinterest zeigt mehr als 1.000 Fotos, von "Style I love" bis "Food to die for". Auf Facebook hingegen sieht man nur eine Handvoll Einträge. Haben Sie eine Vorliebe fürs Bildhafte?
Indra Zemzoum: Bilder sind einfach einprägsamer als Texte. Pinterest dient nicht nur dazu, Produkte oder Momentaufnahmen zu sammeln, sondern beinhaltet auch Bookmarking-Elemente. Es ist somit eine Social-Bookmarking-Plattform, auf der Interessantes gesammelt und mit anderen geteilt wird.

Facebook-Gründer Zuckerberg meint, Privatsphäre sei ein überholtes Konzept.
Zemzoum: Erfreulicherweise gibt es auf Facebook Privatsphäre-Einstellungen, die ich auch selbst aktiv nutze. Es müssen nicht alle Informationen öffentlich gemacht werden.

Zum Beispiel das Geburtsjahr?
Zemzoum: Zum Beispiel.

Schade. Wir hätten Ihnen gern ein Kompliment gemacht.
Zemzoum: Nur zu. Aber mein Geburtsdatum erfahren Sie trotzdem nicht.

Junior indes sind Sie nicht mehr, sondern Senior, genauer: Senior Digital & Social Media Marketing Manager bei Axel Springer Media Impact, der Vermarktungseinheit des Medienhauses. Wie kam's dazu?
Zemzoum: Es gab ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte. Ich hatte mich ein Jahr zuvor selbständig gemacht als Online Marketing & Social Media Consultant, und da Axel Springer zu den führenden Medienhäusern in Print und Digital zählt, hat mich die Herausforderung gereizt. Der Umzug nach Berlin übrigens auch.

Marketing und Social Media waren aber nicht Ihre Studienfächer.
Zemzoum: Das stimmt. Ich habe Politik, Amerikanische Kulturgeschichte und Rechtswissenschaften studiert. Schwerpunkte waren politisches Marketing und Medienrecht. Im Zuge meiner Magisterarbeit kam ich zum ersten Mal mit dem Thema Social Media in Berührung. Ich habe damals Wahlkampagnen in den USA und in Deutschland verglichen, und in US-Wahlkämpfen spielte Social Media bereits früh eine Rolle.

Das fanden Sie fesselnd?
Zemzoum: Social Media ist ein Ausdruck von Demokratie im Netz. Schwarmintelligenz ist ein faszinierendes Phänomen und mit Blick etwa auf Crowdsourcing hochspannend. Auch aus Sicht des Marketings: Man hat die Chance, sich im direkten Dialog mit Verbrauchern auszutauschen und auf Aktivitäten unmittelbar Feedback zu erhalten.

Das heißt, Sie sitzen den lieben langen Tag am Computer und streunen durch Axel Springers Facebook-Auftritte?
Zemzoum: Natürlich schaue ich, wie zum Beispiel unsere Social Advertorials auf unseren Facebookseiten ankommen und beobachte Social-Media-Kampagnen im Netz. Aber in der Hauptsache beschäftige ich mich mit der Entwicklung neuer Produkte und Werbeformate. Unsere Sales-Kollegen unterstütze ich auch bei Kundenterminen, wenn die Social-Media-Expertise gefragt ist.

Welcher Abteilung sind Sie zugeordnet?
Zemzoum: Ich bin in der Digital Marketing Abteilung der Vermarktung tätig. Da wir portfolio-übergreifend arbeiten, haben wir viele Schnittstellen im Unternehmen wie zu dem Objektmanagement, Produktmanagement und zu den Redaktionen. Ich berichte direkt an Christian Griesbach, General Manager Digital Marketing.

Überkommt Sie nach Feierabend nicht bisweilen die Social-Media-Müdigkeit?
Zemzoum: Social Media gehört für mich zum Alltag. Aber ich gebe zu, an manchen Feierabenden gestatte ich mir, Social Media links liegen zu lassen.

Und stattdessen machen Sie was?
Zemzoum (schmunzelt): Diese Auskunft steht unter dem Schutz meiner Privatsphäre-Einstellungen.

Indra Zemzoum ist seit 2011 Social Media Managerin in Axel Springers Vermarktungsdivision Media Impact. Bevor sie dort einstieg, arbeitete sie als Sprecherin im Deutschen Bundestag sowie im Marketing der Münchner Werbeagentur Cantus Media und der Allianz-Tochter Global Investors.

Interview: Martin Bell

Social-Media-Manager: Was sie können, sollen dürfen - ihr Berufsbild ist noch undefiniert. Bislang erschienen Kurzinterviews mit Thomas Mickeleit (Microsoft Deutschland), Jochen Mai (Yello Strom) und Kristin Hentschel (Otto-Versand). Zudem hat Martin Bell acht Social-Media-Manager in der PR Report-Ausgabe September 2012 vorgestellt.

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