02.06.2015 |   Gemeinsame Studie von Esch und Softgarden

Schlechte Bewerbungsverfahren schaden Marken

Die Prozessqualität in Bewerbungsverfahren überzeugt die meisten Bewerber nicht, sagen die Autoren einer Studie.
Die Prozessqualität in Bewerbungsverfahren überzeugt die meisten Bewerber nicht, sagen die Autoren einer Studie.

Fast zwei Drittel der Jobsucher (62 Prozent) bewerten ihre Erfahrungen während eines Bewerbungsprozesses als emotional nicht positiv. Fast alle teilen ihre Erlebnisse mit - im Familien- und Freundeskreis sowie auf Facebook und Arbeitgeberbewertungsplattformen. Schlechte Bewerbungsverfahren schaden auf diese Weise der Reputation von kleinen wie großen Unternehmen, schlussfolgern die Autoren einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung Esch The Brand Consultants und der Recruitingplattform Softgarden.

Der Studie zufolge sind 52 Prozent der Teilnehmer sind von der Prozessqualität nicht überzeugt und 53 Prozent der Kandidaten wurde während des Bewerbungsprozesses nicht klar vermittelt, wofür das Unternehmen als Marke steht. Nahezu alle Kontaktpunkte und -anlässe seien verbesserungsfähig, vom Online-Formular über die Informationsbroschüre bis zu Gesprächen mit Recruitern und Führungskräften. Persönliche Kontakte empfänden die Bewerber dabei als besonders wichtig. Die Branchen schneiden unterschiedlich bei der Qualität der Bewerbungsverfahren ab. Schlusslichter bilden Handel, Transport und Logistik sowie die verarbeitende Industrie.

Bewerber als Multiplikatoren


91 Prozent der Befragten sprechen über ihre Erlebnisse. 46 Prozent nutzen Online-Plattformen wie Facebook oder Kununu. Zudem berichten 82 Prozent in persönlichen Gesprächen über das Erlebte. Unternehmen sollten beide Resonanzkanäle nicht unterschätzen, mahnen die Autoren.

Bekannte Unternehmen mit starken Marken können Bewerber besonders leicht enttäuschen. "Je positiver das Image des Unternehmens ist, desto höhere Erwartungen stellen Kandidaten an den Bewerbungsprozess", sagt Prof. Dr. Franz-Rudolf Esch, Direktor des Instituts für Marken- und Kommunikationsforschung an der EBS Business School und Gründer von Esch The Brand Consultants. Hatten die Befragten zu Beginn des Prozesses ein positives Bild vom Unternehmen (Durchschnittswert von 5,8 auf einer Skala von 1 bis 7), beurteilten sie das Image danach wesentlich schlechter (Durchschnittswert von 5,0).

Aber auch Arbeitgeber aus dem Mittelstand sollten das Imagepotenzial von Bewerbungsverfahren ernst nehmen. "Hören potenzielle Kandidaten, Konsumenten oder Abnehmer einer Dienstleistung zum ersten Mal von einem Unternehmen in Form negativer Erfahrungsberichte über Bewerbungsverfahren, so ist ihre Wahrnehmung entsprechend vorgeprägt", sagt Dominik Faber, Gründer und Geschäftsführer von Softgarden.

Wahrnehmung von Produkten und Dienstleistungen

Die Studie zeigt, dass die negative Imagewirkung von schlechten Bewerbungsprozessen über Arbeitgeberaspekte hinausgeht: 24 Prozent der Teilnehmer, die von ihren Erfahrungen im Bewerbungsprozess nicht restlos überzeugt waren, nahmen danach eine negativere Bewertung bezüglich der Attraktivität der Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens vor. Bei 20 Prozent sank die Bereitschaft, diese Angebote des Unternehmens zu nutzen.

Für die Studie nahmen 1.104 Bewerber an einer Online-Umfrage teil. Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, wie Kandidaten den Bewerbungsprozess erleben (Candidate Experience) und wie diese Erlebnisse ihre Haltung gegenüber dem potenziellen Arbeitgeber beeinflussen. 

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