23.06.2015 |   Kann Periscope als PR-Tool dienen?

"Die Silodenke kann ich nicht mehr hören"

Beim Jahrestreffen des Stifterverbandes Mitte Juni in Essen hat Frank Behrendt Prof. Dr. Helmut Schwarz von der Alexander von Humboldt Stiftung via Periscope interviewt
Beim Jahrestreffen des Stifterverbandes Mitte Juni in Essen hat Frank Behrendt Prof. Dr. Helmut Schwarz von der Alexander von Humboldt Stiftung via Periscope interviewt

Im März hat der Microblogging-Dienst Twitter seine Live-Streaming-App Periscope auf den Markt gebracht. Damit können sich Anwender als Kameramann betätigen und ihre Follower per Smartphone mit Live-Bildern versorgen. Ein sinnvolles Werkzeug für die Kommunikation oder nur ein weiteres Instrument zur Verbreitung von Bewegtbild-Müll? Der PR Report hat den fleißig filmenden fischerAppelt-Vorstand Frank Behrendt (twitter.com/behrendt_fb) gefragt.

Herr Behrendt, Sie nutzen Periscope bereits. Wie sind Sie dazu gekommen?

Die Initialzündung passierte beim abgebrochenen Finale von Germanys Next Topmodel, als alle rätselten, was da los war. Da sah ich als eifriger Twitter-Verwender, dass ein gewisser Daniel Cremer live vor Ort via Periscope berichtete. App runtergeladen - und schon war ich gefühlt vor Ort. Diese Schnelligkeit, dieses unmittelbar dabei sein, einen Informationsvorsprung zu haben, das hat mich sofort fasziniert. Und seitdem bin ich selbst Sender via Periscope.

Das Problem Infoüberfluss ist ja ein allgegenwärtiges: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, was Sie Ihren Followern zeigen wollen?

Es muss zu mir und meinem Typ passen. Ich passe ja in kein Raster, und genau so soll auch das sein, was ich zeige. Immer mit Witz, immer etwas ungewöhnlich, powered by Personality. Kurz: Infotainment to go.

Inwiefern ist das Tool Ihrer Meinung nach für die PR relevant?

Was ist denn PR? Die Silodenke kann ich nicht mehr hören. Es geht um Kommunikation, um Content. Und es geht neben relevanten Inhalten um intelligente Verbreitungskanäle. Und da ist Live-Broadcasting eine weitere Facette. Aus dem Stand ohne zusätzliches Equipment Bewegtbild-Content in Top-Qualität live zu verbreiten, ist für besondere Ereignisse und Geschichten, aber auch als Ad-hoc-Reaktionstool in Krisensituationen eine smarte Sache.

Haben Sie Empfehlungen, wem PR-Leute in Sachen Live Streaming nacheifern könnten?

Ganz klar Kai Diekmann. Der hat ein Händchen für den richtigen Mix. Mal zeigt er seine Ziegen oder ein frisch geschlüpftes Küken, mal trinkt er einen Wein am See, ein anderes Mal hat er Top-Leute auf seiner Couch, die er interviewt. Oder er lässt alle, die Lust haben, an der Auswahl seines Foto des Tages für die "Bild" teilhaben. Zweimal hab ich dabei schon live die Headline getextet, das war selbst für einen abgezockten Kommunikator wie mich ein tolles Gefühl.

Was wäre eine Alternative zu Periscope?

Meerkat. Die waren auch vor Periscope da, aber Twitter verfügt aus meiner Sicht jetzt über das in Summe bessere Produkt. Aber machen wir uns nichts vor: Die Entwicklung wird immer schneller immer weiter gehen, wir sind auch in diesem Feld erst am Anfang.

Frank Behrendt, einst Deutschland-Chef von Ketchum Pleon, ist seit 1. Februar 2011 drittes Vorstandsmitglied bei fischerAppelt

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Kommentare

Verena am 24.06.2015 um 13:04
Interessantes Gespräch!
Danke für die Infos.
Liebe Grüße,
Verena Bender
PRleben
 
Klaus Lehmann am 24.06.2015 um 15:59
Ja, mal wieder ein neues gadget. Jeder kann jetzt live senden. Gääähn.
Ich kann es nicht mehr hören, dass der ganze Krimskrams ja so viele tolle PR-Chancen bietet.
Woran erinnert uns das? New economy bubble 1999-2001. Ach ja, und: Second life. Selten so gelacht. erinnern wir uns noch?
Nochmal zum Mitschreiben: The medium is NOT the message.
Es geht genau so wie vor einhundert Jahren um INHALTE.
Ja, sind wir so hipp wie die Agenturen, die ich niemals beauftragen werde und nennen es content. Klingt gleich cooler.

Herr Behrendt, ich kann das Agenturgeschwätz von immer neuen, die Welt veränderden Gerätchen und Apps nicht mehr hören! WAS wird gesagt? Nur das ist wichtig. Und noch was, Herr Behrendt: SUBSTANZ wird angesichts des Infomülls das EINZIGE sein, was der PR bleibt.
Communicate and convince. Don't play.
 
Florian Lapiz am 25.06.2015 um 20:54
Das Thema ist auf jeden Fall interessant und ich bin gespannt wie sich das alles noch Entwickelt. Wie man Periscope für sein eigenes Business einsetzen kann, zeige ich in dem folgenden Video: https://www.youtube.com/watch?v=YN_VrcXbcRk
 
Michael Braun am 27.06.2015 um 16:16
Jetzt ganz ohne Ironiemodus: wie ist das denn mit dem Thema Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten beim Livestream? Vor allem, wenn das aus PR Gründen, also mit einem klaren kommerziellen Hintergrund geschieht) Und vor dem Hintergrund, dass sich aktuell die rechtlichen Aspekte zum Thema Fotos machen und veröffentlichen strenger gefaßt werden.
 

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