18.01.2013 |   Stephan Becker-Sonnenschein über "Die Lebensmittelwirtschaft"

"Ich bin kein Zucht- oder Lehrmeister"

Stephan Becker-Sonnenschein
Stephan Becker-Sonnenschein

Stephan Becker-Sonnenschein spricht über seine neue Aufgabe als Geschäftsführer der Informationsplattform "Die Lebensmittelwirtschaft". Er verrät, wie er in dieser Rolle mit der NGO Foodwatch und Thilo Bode umgehen will.

Seit 1. Dezember sind Sie Geschäftsführer des Vereins "Die Lebensmittelwirtschaft". Dieser wird hauptsächlich von Verbänden der Erzeuger, Lebensmittelhersteller, des Lebensmittelhandwerks und des Handels getragen. Bislang taten sich diese Branchen in der Öffentlichkeit oft durch Lebensmittelskandale, Verbrauchertäuschung oder unfaire Arbeitsbedingungen hervor. Wie wollen Sie das Negativimage der Lebensmittelwirtschaft korrigieren?

Stephan Becker-Sonnenschein: Dieser Aufzählung muss ich widersprechen. Erzeuger, Hersteller und Handel genießen nach Umfragen von TNS Emnid oder dem FAZ Institut hohes Vertrauen und die Produkte sind von höchster Qualität. Selbstverständlich gibt es in Einzelfällen kritische Entwicklungen, die aber nicht für die Prozesskette stehen. Sprich: Das Image ist nicht negativ. Das ist mir wichtig. Daraus leitet sich auch die Kommunikation unseres Vereins ab. "Die Lebensmittelwirtschaft" wird künftig verstärkt die guten Geschichten aufbereiten und öffentlich darstellen, wie sie arbeitet. Und wir tragen Debatten in die Lebensmittelbranche hinein, um dort die Reflexion über die eigene gesellschaftliche Verantwortung zu befördern. Wir werden also in beide Richtungen Impulse für neue Perspektiven  setzen.

Die Lebensmittelwirtschaft ist verschwiegen und fühlt sich oft an den Pranger gestellt, wenn Medien und Verbraucherschützer sie kritisieren. Was wollen Sie unternehmen, um Ihrer Zunft den Drang zur Opferrolle abzutrainieren?

Becker-Sonnenschein: Ich bin kein Zucht- oder Lehrmeister. Das muss und will ich auch gar nicht sein. "Die Lebensmittelwirtschaft" wird als Informations- und als Dialogforum der gesamten Lebensmittelbranche agieren. Wir werden sprechfähig sein und den offenen, respektvollen Dialog mit allen auf Augenhöhe zulassen. Auch bei kritischen Themen. Wir werden die Erkenntnisse aus diesen Gesprächen in die Branche hineintragen.

Die Interessen von Handel, Erzeugern und Lebensmittelherstellern sind nicht immer deckungsgleich. Lässt das in der Kommunikation Ihrer Plattform künftig nur Minimalkompromisse zu, die Kritikern viel Angriffsfläche bieten?

Becker-Sonnenschein: Die unterschiedlichen Branchenthemen werden weiter von den Verbänden bearbeitet. Und das ist völlig in Ordnung. Die Mitglieder des Vereins verbindet die Frage: Was richtig ist für die Gesellschaft? Was wird von uns und unseren Produkten erwartet? Auf dieser Grundlage werden wir klare gemeinsame Positionen erarbeiten - zu den Themen, die branchenübergreifende Bedeutung haben. Da habe ich keine Angst vor Minimalkompromissen. Und über Angriffe mache ich mir sowieso keine Sorgen. Ich freue mich auf viele Diskussionen und Gespräche mit allen Meinungsbildnern im Lebensmittelbereich.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte will die Plattform in nächster Zeit setzen?

Becker-Sonnenschein: Uns bewegt die Frage, welche Verantwortung die Lebensmittelbranche in dieser Gesellschaft trägt. Von dieser Grundfrage aus werden wir die einzelnen Themen ableiten, die wir im Jahr 2013 angehen möchten. Momentan beraten wir, mit welchem Thema wir wann starten wollen. Vergessen Sie nicht: wir bauen diesen Verein gänzlich neu auf.

Sie werden in Anspielung an den wortgewaltigen Chef von Foodwatch als "Anti-Bode" bezeichnet. Werden Sie tatsächlich als Antipode zu Thilo Bode durch die Talkshows ziehen oder überlassen Sie die großen Auftritte den Funktionären aus den Verbänden Ihres Vereins?

Becker-Sonnenschein: Ich trete diese Stelle nicht an, um gegen jemanden zu kämpfen. Wir arbeiten für konkrete, positive Ziele und Veränderungen. Ich will in einen Dialog treten, möchte ein Miteinander auf Augenhöhe kultivieren, das von Interesse und Respekt geprägt ist. Wir werden allen NGOs zuhören und daraus unsere Schlüsse ziehen. Wenn es thematisch Sinn ergibt, freue ich mich auch, auf Veranstaltungen für "Die Lebensmittelwirtschaft" zu sprechen.

Interview: Guido Schneider

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