20.02.2013 |   Melanie Gömmel, WWF

"Die Wirkung von Bildern ist nicht zu unterschätzen"

Melanie Gömmel, Social Media Redakteurin beim WWF Deutschland
Melanie Gömmel, Social Media Redakteurin beim WWF Deutschland

Melanie Gömmel, 28, Social Media Redakteurin bei der deutschen Sektion des Umweltverbands World Wide Fund For Nature (WWF), über Haustiere, genügsame Zimmerpflanzen und die Bedeutung des Visuellen in Social Web.

Was für Haustiere haben Sie, Frau Gömmel? Hund, Katze, Maus?
Melanie Gömmel: Um ehrlich zu sein...

Hamster? Frettchen? Schildkröte?
Gömmel: Als Kind hatte ich eigentlich immer Haustiere, vom Wellensittich über Meerschweinchen bis zum Kaninchen. Heute allerdings habe ich einen, sagen wir mal: eher flexiblen Lebensstil. Viele Umzüge, häufige Ortswechsel. Haustiere zu halten, ist da schwierig.

Wie enttäuschend. Nicht mal eine Stubenfliege?
Gömmel: Keine, die mir besonders ans Herz gewachsen wäre.

Lassen Sie uns raten: Stattdessen hegen und pflegen Sie auf Ihrem Balkon exotische Pflanzen.
Gömmel: Natürlich liebe ich Pflanzen, aber ich habe leider keinen grünen Daumen. Statt auf filigrane Gewächse setze ich daher auf robuste Exemplare, die auch mal ohne Wasser auskommen.

Meinen Sie damit Kakteen? Oder Plastikpflanzen?
Gömmel: Sie wollen mir doch nicht etwa Düngestäbchen verkaufen?

Nein, uns interessiert Ihr Zugang zum Thema Natur und Umwelt.
Gömmel: Meine Güte, dann fragen Sie das doch! Natur genieße ich am liebsten draußen, nicht in geschlossenen Räumen. Ich bin in Süddeutschland aufgewachsen, mit der Natur quasi direkt vor der Nase. Als Kind kannte ich Kühe daher nicht nur aus der TV-Werbung. Man mag's kaum glauben, aber: Die Regel ist das nicht. Mittlerweile lebe und arbeite ich ja in Berlin, und selbst hier lässt sich wegen der vielen Parks und angrenzenden Gebiete prima frische Luft tanken.

Theoretisch hätten Sie dann auch in einem Streichelzoo anfangen können. Aber Sie gingen zum WWF. Warum?
Gömmel: Nun, vielleicht weil ich etwas bewegen möchte. Ich bin in den 1980er Jahren geboren, als es der Öko-Bewegung gelang, das gesellschaftliche Bewusstsein für Umweltschutz zu schärfen. Die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur habe ich, wenn Sie so wollen, mit der Muttermilch aufgesogen. Teebeutel ordentlich zu trennen, fand ich schon als Kind selbstverständlich. Jetzt habe ich die Chance, mehr Menschen für die Anliegen des WWF zu mobilisieren. Und das auch noch in meinem Lieblingsumfeld - dem Internet.

Das ist Ihnen wichtiger als eine Karriere in einer namhaften Werbeagentur wie, sagen wir: Scholz & Friends?
Gömmel: Definitiv. Nichts gegen Scholz & Friends, ich habe dort einiges gelernt, als ich 2009 als Junior Social Media Managerin anfing. In der Markenkommunikation besteht die Herausforderung darin, Content zu kreieren und dafür im Social Web Interessenten zu finden. Das ist nicht ohne Reiz. Schließlich habe ich meine Diplomarbeit über "Markenkommunikation im Social Web" geschrieben. Aber: Substantielleres als diese oder jene Markenbotschaft lässt sich für eine Organisation wie den WWF verbreiten.

Zu einem substantiellen Austausch freilich gehören mindestens zwei.
Gömmel: Klar. Zumal die Themen, mit denen wir uns befassen, zum Teil recht komplex sind, etwa in Sachen Klimawandel. Doch es zeigt sich: Die meisten, die sich auf unserer Facebook-Seite oder unserer Dialogplattform dazu äußern, machen sich erst Gedanken, bevor sie etwas tippen. Im Ganzen sind die Kommentare aus der WWF-Community gehaltvoller und durchdachter, als ich es aus Marken-Communities kenne.

Sie arbeiten in der Zentrale des WWF Deutschland als Social Media Redakteurin. Was sind Ihre Aufgaben?
Gömmel: Unser fünfköpfiges Team ist angesiedelt in der Unit Digitale Kommunikation, die seit August vergangenen Jahres besteht und eingebettet ist in die Kommunikationsabteilung. Die Unit kümmert sich nicht nur um Social Media, sondern redaktionell um sämtliche Online-Auftritte. Der WWF Deutschland ist auf Twitter, Google+, Youtube, Pinterest präsent, unterhält einen erfolgreichen Facebook-Auftritt mit bald 120.000 Fans und präsentiert sich und seine Projekte auf der, wie ich finde: sehenswerten Plattform Dialog.wwf.de. Das sind allerhand Anlaufstationen im Netz, die kontinuierlich mit Inhalten versorgt sein wollen. Mein Schwerpunkt ist neben dem Community-Management die redaktionelle Aufbereitung von Themen und die Entwicklung neuer Inhalte. Die loten wir aus in einem wöchentlichen Redaktions-Call mit der Presseabteilung und über E-Mail-Recherchen unter Projektleitern aus aller Welt. In welcher Form Informationen dann auf welchen Kanälen gestreut werden - da habe ich freie Hand.

Bild und Bewegtbild, heißt es, gewinnen gegenüber Textstrecken die Oberhand.
Gömmel: Nicht bei uns. Das Verhältnis ist fifty-fifty, würde ich sagen. Aber Sie haben natürlich recht: Die Wirkung von Bildern ist nicht zu unterschätzen. In unserer Unit kümmert sich eine eigene Bildredaktion um Foto- und Videomaterial, das wir etwa auf unserer Dialogplattform einsetzen. Die nimmt seit Januar übrigens deutlich Fahrt auf: erhöhter Traffic, gestiegenes Frageaufkommen. Unser Ziel ist, dort Stück um Stück eine Wissensdatenbank zum Naturschutz aufzubauen.

Und Ihre Faszination für Social Media hat nicht gelitten, seit das Ihr Broterwerb ist?
Gömmel: Auf gar keinen Fall. Auch privat habe ich weiterhin gehörigen Spaß an Facebook und Twitter, an Pinterest, Instagram und Youtube. Ich stelle fest: Die Grenzen zwischen privater und beruflicher Nutzung verschwimmen. Die Social-Media-Auftritte des WWF surfe ich meist schon morgens im Bad ab: rechts die Zahnbürste, links das Smartphone.

Melanie Gömmel, 28, arbeitet als Social Media Redakteurin für den WWF Deutschland. 2009 schloss sie in Ulm ihr Studium des Informationsmanagements ab mit einer Diplomarbeit über "Markenkommunikation im Social Web" und begann als Junior Managerin in der Hamburger Agentur Scholz & Friends. Im Januar 2012 wechselte sie zum World Wide Fund For Nature nach Berlin, seit September 2012 ist sie festangestellt. Die Social Media Redaktion ist Teil der Abteilung Digitale Kommunikation (Leitung: Astrid Deilmann), die die WWF-Pressestelle im August vorigen Jahres aus der Taufe hob.

Interview: Martin Bell

Social-Media-Manager: Was sie können, sollen dürfen - ihr Berufsbild ist noch undefiniert. Bislang erschienen Kurzinterviews mit Thomas Mickeleit (Microsoft Deutschland), Jochen Mai (Yello Strom), Kristin Hentschel (Otto-Versand), Indra Zemzoum (Axel Springer Verlag), Ferdinand von Reinhardstoettner (Telefónica Germany), und Anna Ermann (Playmobil) Zudem hat Martin Bell acht Social-Media-Manager in der PR Report-Ausgabe September 2012 vorgestellt.

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